Filmvorführung am 12.02.: Honeckers Gastarbeiter – Fremde Freunde in der DDR

Die Bundesstiftung Aufarbeitung kündigt an:

Die Dokumentation „Honeckers Gastarbeiter – Fremde Freunde in der DDR“ von Tom Franke und Lutz Rentner beleuchtet ein bisher wenig bearbeitetes Thema der DDR-Zeitgeschichte: Zehntausende Vertragsarbeiter vor allem aus Vietnam und Mosambik, aber auch aus anderen sozialistischen „Bruderstaaten“ arbeiteten seit Mitte der 1960er Jahre in den Betrieben der DDR. Die Vertragsarbeiter kamen im Namen der internationalen Solidarität ins Land, nicht zuletzt aber um den Bedarf nach billigen Arbeitskräften zu decken.

In der Zeit des Umbruchs seit dem Herbst 1989 waren deren Dienste nicht mehr gefragt. Die ostdeutschen Kollegen empfanden sie als lästige Konkurrenten, man schickte viele von ihnen nach Hause. Viele gingen freiwillig, um der zunehmenden rassistischen Gewalt zu entgehen. Die rassistischen Exzesse vor Ausländerwohnheimen in Hoyerswerda 1991 und Rostock-Lichtenhagen 1992 waren der traurige Höhepunkt dieser Entwicklung.

Die von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderte Dokumentation zeigt, wie die „Gastarbeiter“ in der DDR gelebt haben. Die Regeln ihres Aufenthaltes waren in staatlichen Verträgen festgelegt. Außerhalb der Betriebe waren die Ausländer in anonymen Wohnblocks untergebracht, Kontakte zur Bevölkerung wurden weitgehend unterbunden. Die DDR-Bürger wurden kaum informiert. Sie wurden überrascht, wenn plötzlich Hunderte Vietnamesen in der Kaufhalle auftauchten.

Vor der Filmpräsentation findet eine szenische Lesung der Künstlergruppe Mangan25 statt, die während der Dreharbeiten einen Live-Blog aus Maputo erstellt hatten. Nach dem Film diskutieren der Filmautor Lutz Rentner, die ehemalige Ausländerbeauftragte der DDR und des Landes Brandenburg, Pfarrerin Almuth Berger, die ehemalige Vertragsarbeiterin Mai-Phuong Kollath, Titu Truvinho von der Mosambikanischen Gesellschaft in Deutschland sowie der Autor und Komponist Kai-Uwe Kohlschmidt über die „Fremden Freunde in der DDR“. Das Gespräch wird moderiert von der Autorin und Journalistin Marion Brasch.

„Fremden Freunde in der DDR“. Das Gespräch wird moderiert von der Autorin und Journalistin Marion Brasch.
Filmpräsentation: Honeckers Gastarbeiter – Fremde Freunde in der DDR
Veranstalter: Armadafilm, Evangelische Kirchengemeinde St. Bartholomäus,
Bundesstiftung Aufarbeitung
Freitag, 12. Februar 2016
Uhrzeit: 19 Uhr
St. Bartholomäus-Kirche | Friedensstraße 1 | 10249 Berlin
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.


Migration in die DDR

Zeit Online hat einen Überblicksartikel über die Migration in die DDR (mit Exilant_innen und Vertragsarbeitenden). Darin wird durchgehend klar gemacht, dass die DDR schlecht war.


Die Moritzburger

Spiegel Online berichtet über eine Gruppe von vietnamesischen Kindern, die 1955 nach Moritzburg kamen und dort bis 1959 zur Schule gingen. Der Artikel verdeutlicht an zwei Biographien auch, wie verschiedene Migrationsphasen nacheinander kamen: erst als Schüler_in nach Moritzburg, zurück nach Vietnam, dann als Auszubildende/Studierende wieder in die DDR, zurück nach Vietnam, dann im Rahmen der Vertragsarbeit wieder in die DDR, dann mit der Wende, die meisten wieder zurück, aber ein paar wenige, die in Deutschland blieben.


Dokumentarfilm in ARD-Mediathek

Am Montag gegen Mitternacht hat die ARD den Dokumentarfilm „Honneckers Gastarbeiter: Fremde Freunde in der DDR“ (D 2015, R: Lutz Rentner und Tom Franker) gezeigt. Er ist noch ein paar Tage in der Mediathek anzuschauen.

Für jene, die wenig über Vertragsarbeitende in der DDR wissen, mag dies ein guter Einstieg sein (insbesondere zu Mosambik und Vietnam). Und es ist gut, dass überhaupt darüber berichtet wird. Ansonsten ist der Film weder inhaltlich noch filmisch besonders überzeugend.


Candido Mahoche

Der Freitag hat den Freitaler Stadtrat Candido Mahoche porträtiert:

Candido Mahoche kam Anfang der 80er Jahre aus Mosambik nach Sachsen, er ist geblieben und Bierbrauer, Politiker und Fußballtrainer geworden.


Ibraimo Alberto

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet ein Buch von und über den ehemaligen Vertragsarbeiter Ibraimo Alberto (zu dem ehemaligen Ausländerbeauftragten von Schwedet siehe auch hier).


Vietnames_innen in Berlin

In der taz berlin schreibt Marina Mai über die getrennten vietnamesischen Communities in Berlin. Im Westen leben die Bootsflüchtlinge aus und ihre Nachfahren, im Osten die Vertragsarbeitende und deren Kinder.