Migration in die DDR

Zeit Online hat einen Überblicksartikel über die Migration in die DDR (mit Exilant_innen und Vertragsarbeitenden). Darin wird durchgehend klar gemacht, dass die DDR schlecht war.


Geschichtsschreibung

Vor gut zwei Jahren fand in Treptow eine Veranstaltungsreihe: „Bruderland ist abgebrannt!“ – Einwanderung, Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus in der DDR statt. Bei den Veranstaltungen gab es viel Widerspruch. Und nun wird in der Hellen Panke die Gegenveranstaltung Mosambikanische Vertragsarbeiter in der DDR-Wirtschaft organisiert. Aus der Veranstaltungsankündigung:

Es gibt wohl kaum ein Kapitel aus der DDR-Geschichte, wo so viele unwidersprochene Verleumdungen, Verdrehungen und Halbwahrheiten kolportiert werden, wie in Bezug auf den Einsatz von Vertragsarbeitern aus Ländern der Dritten Welt in der DDR-Wirtschaft.
Da wird etwa behauptet, dass die „ausländischen Werktätigen“ keine Kontakte zu ihrem sozialen Umfeld haben durften, auf offener Straße mehrere Ausländer massakriert wurden, junge Vertragsarbeiter kaserniert untergebracht, schlecht bezahlt und ausgebeutet waren.

Ganz offensichtlich geht es hier darum, Deutungshoheit über die Geschichte zu bekommen. Dabei geht es aber nicht nur um Ost und West, sondern auch um deutsch und migrantisch. Bei der Helle Panke-Veranstaltung werden Straßburg, ein Vertreter des DDR-Systems, und van der Heyden, ein Wissenschaftler, der sich immer wieder gegen rassismuskritische Positionen äußert, vortragen. Das kann spannend werden. Unwahrscheinlich aber, dass es keine Verleumdungen, Verdrehungen und Halbwahrheiten geben wird.

Straßburg und van der Heyden haben mit zwei Ko-Herausgeber_innen letztes Jahr ein Buch zum Thema herausgegeben. Eine Rezension ist zu finden auf hsozkult.


Veranstaltung: 25 Jahre Mauerfall aus Minderheitenperspektive(n)

Die Akademie des Jüdischen Museums lädt am 6. November 2014 um 17 Uhrzu einer Veranstaltung zum Mauerfall aus Minderheitenperspektive(n) ein. Aus der Einladung:

Der Fall der Berliner Mauer und der Prozess der deutschen Wiedervereinigung sind im kollektiven Gedächtnis der Mehrheitsgesellschaft als Ausdruck einer »friedlichen Revolution« verankert. Doch wie erlebten Minderheitenangehörige in Ost und West diese historische Umwälzung und darauffolgende Ereignisse, zu denen auch rassistische Pogrome wie in Rostock-Lichtenhagen oder Mölln gehörten? Welchen Platz sahen sie für sich in diesem historischen Moment der »Neuerfindung der Nation« und gab es auch in ihren Communities einen Prozess des Zusammenwachsens?

Vortrag von Dr. Patrice Poutrus (Universität Wien) und Podiumsgespräch mit Repräsentanten und Experten verschiedener Minderheitencommunities.


Neu erschienen: zwei Artikel

Christiane Mende: „Migration in die DDR. Über staatliche Pläne, migrantische Kämpfe und den real-existierenden Rassismus“, 151-164.

und

Urmila Goel: „Ungehörte Stimmen. Überlegungen zur Ausblendung von Migration in die DDR in der Migrationsforschung“, 138-150.

in: Duygu Gürsel, Zülfukar Çetin & Allmende e.V. (2013, Hrsg.), Wer Macht Demo_kratie? Kritische Beiträge zu Migration und Machtverhältnissen, Münster: edition assemblage


Perspektiven auf die Einheiten

Die Frankfurter Rundschau berichtet unter der Überschrift Der andere Blick auf die Einheit von einer Veranstaltung mit dem Titel „Typisch deutsch?“, bei der auch aus migrantischer Perspektive auf die Vereinigung geschaut wurde.

Hinweis von Marina Mai


Verklärung der DDR

Marina Mai schreibt in der taz-Berlin über die Proteste von DDR-Nostalgiker_innen gegen die Veranstaltungsreihe Bruderland ist abgebrannt in Treptow-Köpenick.Die Existenz von Rassismus und Ausbeutung in der DDR scheint pauschal abgestritten zu werden.

Nachtrag 23.10.12: Ein weiterer Artikel von Marina Mai zu der Diskussion und einer Veranstaltung zu Rassismus in der DDR.

Nachtrag 03.11.12: Noch ein taz berlin-Artikel zur Veranstaltugnsreihe.


Veranstaltungen zur Migration in die DDR

Am Montag, den 16.04.12 stellen wir die Projektseite Migration in die DDR (und BRD) im Rahmen des Einweihungsfests des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien vor.

Zeit: Montag, 16.04.12, 17.00 Uhr
Ort: ZtG, Georgenstr. 47, Berlin, Raum 1.05

Und am 19.04.12 organisiert das Institut für angewandte Geschichte ein Autoren- und Zeitzeugengespräch in Schloß Trebnitz.