Exil aus Iran

Die taz berlin interviewt den Architekten und Künstler Yadegar Asisi:

Sie sind als Kind eines persischen Kommunisten in der DDR aufgewachsen, dann in den Westen gegangen.

Mein Vater war in der persischen Armee in einer illegalen Zelle. Als der letzte Schah an die Macht kam, wurde mein Vater verraten und sechs Monate vor meiner Geburt wegen Hochverrats zusammen mit 20 weiteren Offizieren hingerichtet. Die sozialistischen Staaten haben deren Frauen dann Asyl angeboten.

Sie sind deshalb in Leipzig groß geworden, haben in Dresden Architektur studiert. Ein echter DDR-Bürger?

Wenn Sie so wollen, ja. 23 Jahre habe ich dort gelebt.

Waren Sie der DDR dankbar?

Ja. Wenn die DDR nicht gewesen wäre, wäre ich nicht der Mensch, der ich bin. Natürlich gab es da üble Propaganda. Aber für mich als Kind waren wir die Guten. Und die anderen die Bösen.

Dennoch sind Sie unmittelbar nach Ihrem Studium nach Westberlin gegangen. Warum?

Ich hatte einen Brief gekriegt. Darin stand, ich hätte vier Wochen Zeit, die DDR zu verlassen. Das waren ja Kontrollettis. Nur uns Emigranten hatten die nicht ganz im Griff, deshalb wollten die uns loswerden.

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Migrationsgeschichten

Im Buch „Deutschland mit beschränkter Haftung“ (Herausgegeben von Maricarmen de Saavedra, 2009, Patchworldverlag) gibt es verschiedene ‚Migrationsgeschichten‘, die auch die DDR berühren:

  • Im Beitrag von Parto Therani-Krönner (135-138) ein Verweis auf die Iranerin Shahnaz Alami, die an der HU in Iranistik promoviert hat
  • Violetta Rudat, „Der Gast bringt mit sich das siebenfache Glück“, 151-166 – Ehemigration aus Abchasien
  • Pierre Botembe, „Bitte den Geist des Landes, dich als Freund aufzunehmen“, 255-275 – zweimal aus der BRD in die DDR gegangen, um dort zu studieren (beim erstenmal hatte er kein Aufenthaltsrecht in der BRD mehr)
  • Carlos Medina, „Und was ist nun Heimat? Die Reise nach Ithaka“, 276-298 – Exil aus Chile