Vortrag: Rassismus in der DDR

Vortrag und Diskussion in Zossen
29. November 2011, 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr
Rassismus in der DDR – Zwischen verordnetem Antifaschismus und gesellschaftlicher Realität
mit dem Historiker Dr. Patrice G. Poutrus
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Eine junge Marzahnerin

wird von der taz mit Audio und Bildern vorgestellt. Der Vater kam als Vertragsarbeiter in die DDR.

Hinweis von Marina Mai


Arbeitsbiographie vietnamesischer Vertragsarbeiter_innen

Elke Lier schreibt auf otz.de über Vietnames_innen in Gera. Hier ein Auszug zur beruflichen Entwicklung von Vertragsarbeiter_in zum Textilhandel:

Nguyen Chinh Duc gehört zu den 60 000 Vietnamesen, die in den 80er Jahren als Vertragsarbeiter auf dem Flughafen Berlin -Schönefeld ankamen. Die Stationen des jungen Ingenieurs waren Leipzig, Ilmenau, Großbreitenbach, Pausa, Zeulenroda und seit 1992 Gera.

Als ab 1990 DDR-Großbetriebe abgewickelt wurden, waren zuerst die fleißigen und von Kollegen geachteten Vietnamesen Entlassungskandidaten. Zurück in die Heimat? Dorthin, wo man dringend Unterstützung aus Deutschland erwartete?

Duc, in einem Ort, 20 Kilometer von Hanoi geboren und aufgewachsen, war sieben Jahre alt, als 1965 erste USA-Kampfgruppen in Vietnam landeten und einen Krieg begannen, der mit drei Millionen Toten und vier Millionen Versehrten zehn Jahre später endete. „Unser Volk ist aus dem Feudalismus gekommen, hat den Krieg ausgehalten, endlich konnten wir lernen und arbeiten“, sagt Duc von seiner Jugend. Mit dieser Hoffnung war auch Frau Nguyen Tam hierher gekommen. „Ich habe im VEB Planeta Dresden Dreherin gelernt.“ Später studierte die elegante Mittfünfzigerin Finanzbuchhalterin und Sprachmittlerin. Jetzt verkauft sie wie Duc Textilien. Er schaut 20 Jahre zurück: „Wir waren plötzlich alle arbeitslos. Wir Vietnamesen sind beweglich, haben uns mit Kleinhandel unsere Arbeitsplätze selbst geschaffen.“ Ohne Auto, mit zwei großen Taschen und einem Wäscheständer begann der diplomierte Mann seinen Textilhandel, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu bestreiten.

Hinweis von Marina Mai


Offizielle Geschichtsschreibung

In der Broschüre Migration und Integration des Bundesministerium des Innern sind der Migrationsgeschichte nach ‚Deutschland‘ viele Seiten gewidmet. Das Kapitel ‚Ausländer in der DDR‘ hat allerdings nur eine Seite:

Seite aus der Broschüre 'Migration und Integration' des BMI

Die nicht besonders aussagefähige Tabelle nimmt eine halbe Seite in Anspruch, der kurze Text enthält wenig Informationen, dafür aber ideologische Wertungen, so zum Beispiel: „Aber schon wegen der in der DDR herrschenden Verhältnisse war dieser Teil Deutschlands für politisch Verfolgte kein bevorzugter Zufluchtsort.“.