Näharbeiten

Die Thüringer Allgemeine berichtet über die Suche nach von vietnamesischen Vertragsarbeiter_innen gefertigten Jeans.

„Ich konnte mir leider so eine Hose nur einmal leisten“, sagt Solveig Scharr. Als technische Zeichnerin verdiente sie in den 80er-Jahren im Monat 400 DDR-Mark. Der „Bekannte“ aus dem Zug kassierte immerhin 260 Mark für die „Montana“Jeans mit echtem Copyright-Zeichen. Eine Wrangler war für schon 220 Ostmark zu haben. Dass bei den vietnamesischen Vertragsarbeitern derlei Summen ankamen, bezweifelt die Frau aus Sallmannshausen.

Wie aber kommt es, dass die Jeans bis heute im Schrank lag? „Ein Superstoff, klassischer Schnitt, und Nähte und Reißverschlüsse hielten über all die lange Zeit“, bringt es Solveig Scharr auf den Punkt.

Hinweis von Marina Mai

Nachtrag 28.02.12: Ein weiterer Artikel über die Jeans-Produktion (wieder ein Hinweis von Marina Mai).

Nachtrag 05.03.12: Marina Mai hat weitere Links zu Artikel geschickt: Nachgemachte Jeans hielt 30 Jahre und Leinefelderin bewahrte ihre erste Jeans jahrelang auf.

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Ehemaliger Vertragsarbeiter in Abschiebehaft

Der Berliner Tagesspiegel berichtet über einen ehmaligen algerischen Vertragsarbeiter, der nach 33 Jahren Aufenthalt in Deutschland jetzt abgeschoben werden soll:

Wie berichtet war Djeziri einst als Vertragsarbeiter in die DDR gekommen. 33 Jahre lang, davon die letzten 26 ununterbrochen, hat er in Deutschland gelebt und gearbeitet und nach dem frühen Tod seiner Frau die Kinder allein großgezogen. Nach Einschätzung von Seelsorger Fricke hat er „einfach Pech gehabt, dass sein Aufenthaltsstatus nie richtig geklärt wurde“.


Integrationsausschüsse in den Berliner BVVs

Nach dem neuen Integrationsgesetz in Berlin müssen alle Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) einen Integrationsausschuss einrichten. In diesem Ausschuss sollen die Bürgerdeputierten vorzugsweiese einen sogenannten Migrationshintergrund haben. Das führt dazu, dass in den Berliner Ost-Bezirken auch ehemalige Vertragsarbeiter_innen zu diesem politischen Amt kommen können.

Nach Auskunft von Marina Mai sind sowohl in Treptow-Köpenick wie in Lichtenberg ehemalige Vertragsarbeiterinnen aus Vietnam zur Bürgerdeputierten im Integrationssausschuss berufen worden: Thi Nguyet Huong Vu in Treptow-Köpenick (Sozialarbeiterin im Verein Dialog) und
Bui Duc Hoa in Lichtenberg (Dozentin an der Volkshochschule). In Marzahn-Hellersdorf wurde Huy Thao Phan (Sozialberater bei der Reistrommel) stellvertretender Bürgerdeptutierter.

In den Ost-Bezirken wurden aber auch durchaus auch West-Migrant_innen Bürgerdeputierte. So wurde, zum Beispiel, in Treptow-Köpenick eine Neuköllnerin mit sogenanntem türkischen Migrationshintergund Bürgedeputierte (und ich ihre Stellvertreterin).