Geschichtsschreibung

Vor gut zwei Jahren fand in Treptow eine Veranstaltungsreihe: „Bruderland ist abgebrannt!“ – Einwanderung, Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus in der DDR statt. Bei den Veranstaltungen gab es viel Widerspruch. Und nun wird in der Hellen Panke die Gegenveranstaltung Mosambikanische Vertragsarbeiter in der DDR-Wirtschaft organisiert. Aus der Veranstaltungsankündigung:

Es gibt wohl kaum ein Kapitel aus der DDR-Geschichte, wo so viele unwidersprochene Verleumdungen, Verdrehungen und Halbwahrheiten kolportiert werden, wie in Bezug auf den Einsatz von Vertragsarbeitern aus Ländern der Dritten Welt in der DDR-Wirtschaft.
Da wird etwa behauptet, dass die „ausländischen Werktätigen“ keine Kontakte zu ihrem sozialen Umfeld haben durften, auf offener Straße mehrere Ausländer massakriert wurden, junge Vertragsarbeiter kaserniert untergebracht, schlecht bezahlt und ausgebeutet waren.

Ganz offensichtlich geht es hier darum, Deutungshoheit über die Geschichte zu bekommen. Dabei geht es aber nicht nur um Ost und West, sondern auch um deutsch und migrantisch. Bei der Helle Panke-Veranstaltung werden Straßburg, ein Vertreter des DDR-Systems, und van der Heyden, ein Wissenschaftler, der sich immer wieder gegen rassismuskritische Positionen äußert, vortragen. Das kann spannend werden. Unwahrscheinlich aber, dass es keine Verleumdungen, Verdrehungen und Halbwahrheiten geben wird.

Straßburg und van der Heyden haben mit zwei Ko-Herausgeber_innen letztes Jahr ein Buch zum Thema herausgegeben. Eine Rezension ist zu finden auf hsozkult.

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5 Kommentare on “Geschichtsschreibung”

  1. Ulrich van der Heyden sagt:

    Hallo Schlaumeier,
    in so einem kurzen, übersichtlichen Text gleich mehrere Fehler fabrizieren! Dazu gehört schon eine Portion Dreistigkeit oder Dummheit. Wenn man etwas schreibt, was man veröffentlichen will, sollte man recherchieren und – selbst wenn es nur das Internet ist – wissen, worüber man schreibt. Nur einige Punkte: Es handelt sich um keine Gegenveranstaltung, sondern um eine Buchvorstellung; wer, wenn nicht Historiker sind legitimiert, eine Deutungshoheit (falls es so etwas überhaupt gibt) anzubieten; das Buch hat nicht vier, sondern drei Herausgeber; im Gegensatz zu Ihnen, habe ich mich nicht gegen rassismuskritische Äußerungen gewandt.

    Bitte überlegen Sie erst, bevor Sie etwas schreiben!

    Prof. Dr. Dr. Dr. Ulrich van der Heyden

    • andersdeutsch sagt:

      Da habe ich wohl wunde Punkte getroffen. Danke für diesen spannenden Einblick in die Sichtweise eines Akteurs.

      Spannend ist auch, dass bei der Veranstaltungsankündigung das Buch gar nicht erwähnt wird. Hätte mich eine Freundin nicht drauf hingewiesen, dann wäre mir das nicht klar gewesen. Ungewöhnlich für eine Buchvorstellung. (Sorry, dass ich mich bei den Heraugebenden verzählt habe, das ist natürlich unverzeilich.)

      Was in der Veranstaltungsankündigung allerdings haufenweise zu haben ist, sind Abwertungen von anderen Wissenschaftler_innen und Migrant_innen, die ihre Geschichten erzählen:

      „Da wird etwa behauptet, dass die „ausländischen Werktätigen“ keine Kontakte zu ihrem sozialen Umfeld haben durften, auf offener Straße mehrere Ausländer massakriert wurden, junge Vertragsarbeiter kaserniert untergebracht, schlecht bezahlt und ausgebeutet waren. Diese und weitere Behauptungen werden selbst in wissenschaftlichen Abhandlungen aufgestellt – jedoch ohne die geringste Quellenkenntnis, vor allem ohne die Betroffenen, in der DDR zu Ausbildung und zu Arbeit gekommenen Vertragsarbeiter zu Wort kommen zu lassen.“

      Gewalterfahrungen von Vertragsarbeitenden werden negiert. Wissenschaftliche Arbeiten werden als unwissenschaftlich abgetan. Darunter, zum Beispiel, die sehr gewissenhaft verfasste Magistraarbeit der Historikerin Christiane Mende, die nicht nur mit Straßburg gesprochen sondern auch ehemalige Vertragsarbeitende interviewt hat. Eine so abwertend und überheblich geschriebene Veranstaltungsankündigung spricht nicht gerade für die Veranstaltung. Es sei denn, mensch ist gerade an der Debatte und den Kämpfen um Deutungshoheit interessiert.

      Und hier noch ein Link zu den Kontroversen um Prof.Dr.Dr.Dr. van der Heyden. Das ist natürlich nur eine Darstellung, andere dürfen gerne selbst gegoogelt werden.

      • andersdeutsch sagt:

        Eine Leserin hat mich auf ein Interview von dem Professor mit den vielen Doktortiteln hingewiesen. Das gibt einen Einblick in seine Perspektive:

        „Aber dann kommen Aktivisten, die ihre heutigen Maßstäbe der Political Correctness auf die Geschichte anwenden und ohne die geringsten Belege behaupten, von der Gröben sei selbst Sklavenhändler und Sklavenhalter gewesen. Dafür gibt es keinen einzigen Beweis. Diese Art von Aktivismus ist eine Unkultur geworden, die auch in anderen europäischen Ländern zunimmt. „

  2. Ulrich van der Heyden sagt:

    Wie wär’s, wenn statt Verleumdungen auch einmal Argumente genannt werden? Aber Dummheit stirbt wohl – wie hier wieder zu sehen ist – nicht aus. Sie können aber gern zu der Veranstaltung kommen. Aber bitte dann dort mit Argumenten und nicht mit Lügen auftreten.
    UvdH

    • andersdeutsch sagt:

      Ich schalte mal auch diesen Kommentar frei. Dabei kann ich allerdings nicht beurteilen, ob es tatsächlich van der Heyden ist, der hier kommentiert oder ob sich irgendjemand als er ausgibt. Wenn er ist, geben die Kommentare den Leser_innen die Möglichkeit, selbst zu beurteilen, wer verleumdet.


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