Projektseite Migration in die DDR online

Nach langer Arbeit ist jetzt endlich die Projektseite Migration in die DDR (und BRD) online. Die Seite ist aus einem Projektseminar an der Humboldt-Universität entstanden. Auf ihr werden verschiedene Projektarbeiten rund um die Migration in DDR präsentiert. Eine davon ist eine Online-Bibliographie (bei der leider die Schlagwortsuche noch nicht funktioniert).

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Vorträge zur Migration in die DDR

Vorträge im Rahmen der Ringvorlesung: „wer MACHT demo „wer demo kratie?“

Montag, 12. Dezember 2011, 18 Uhr
Ungehörte Stimmen – Überlegungen zur Ausblendung von Migration in die DDR in der Migrationsforschung
Dr. Urmila Goel, Berlin

Montag, 19. Dezember 2011, 18 Uhr
Lebensrealitäten der DDR-Migrant_innen nach 1989 – Zwischen Hochkonjunktur des Rassismus und dem Kampf um Rechte
M.A. hist. Christiane Mende, Berlin

Ort: Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften
Universitätsstraße 3b, Raum 002/EG


Arbeitsbiographie vietnamesischer Vertragsarbeiter_innen

Elke Lier schreibt auf otz.de über Vietnames_innen in Gera. Hier ein Auszug zur beruflichen Entwicklung von Vertragsarbeiter_in zum Textilhandel:

Nguyen Chinh Duc gehört zu den 60 000 Vietnamesen, die in den 80er Jahren als Vertragsarbeiter auf dem Flughafen Berlin -Schönefeld ankamen. Die Stationen des jungen Ingenieurs waren Leipzig, Ilmenau, Großbreitenbach, Pausa, Zeulenroda und seit 1992 Gera.

Als ab 1990 DDR-Großbetriebe abgewickelt wurden, waren zuerst die fleißigen und von Kollegen geachteten Vietnamesen Entlassungskandidaten. Zurück in die Heimat? Dorthin, wo man dringend Unterstützung aus Deutschland erwartete?

Duc, in einem Ort, 20 Kilometer von Hanoi geboren und aufgewachsen, war sieben Jahre alt, als 1965 erste USA-Kampfgruppen in Vietnam landeten und einen Krieg begannen, der mit drei Millionen Toten und vier Millionen Versehrten zehn Jahre später endete. „Unser Volk ist aus dem Feudalismus gekommen, hat den Krieg ausgehalten, endlich konnten wir lernen und arbeiten“, sagt Duc von seiner Jugend. Mit dieser Hoffnung war auch Frau Nguyen Tam hierher gekommen. „Ich habe im VEB Planeta Dresden Dreherin gelernt.“ Später studierte die elegante Mittfünfzigerin Finanzbuchhalterin und Sprachmittlerin. Jetzt verkauft sie wie Duc Textilien. Er schaut 20 Jahre zurück: „Wir waren plötzlich alle arbeitslos. Wir Vietnamesen sind beweglich, haben uns mit Kleinhandel unsere Arbeitsplätze selbst geschaffen.“ Ohne Auto, mit zwei großen Taschen und einem Wäscheständer begann der diplomierte Mann seinen Textilhandel, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu bestreiten.

Hinweis von Marina Mai


Radiobeitrag zu ‚Vietnames_innen‘ in Berlin

Deutschlandradio Kultur hat einen Bericht ‚In Schule und Studium ganz vorn – Vietnamesische Bildungsaufsteiger in Berlin -‚ gesendet. Das Manuskript der Sendung gibt es als pdf zum Download und im barrierefreien Textformat.

In dem Beitrag stellt die Autorin eine Familie in Berlin-Biesdorf vor. Der Vater kam als Student aus Vietnam in die DDR, die Mutter zu einer Ausbildung als Bauzeichnerin. In der Wendephase musste die Mutter Deutschland verlassen und konnte erst viele Jahre später zurückkommen.

Hinweis von Marina Mai


Film: Mauern 2.0

D 2011, 29 Min.
Ein Projekt von Jana Maria König, Elisabeth Steffen und Inga Turczyn

Der Film Duvarlar/Mauern/Walls dokumentiert migrantische Perspektiven, vor allem aus der türkischen Community, auf den Mauerfall und die Wiedervereinigung in den Jahren 1990-91. Zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbevertrags und 50 Jahre nach dem Mauerbau tragen wir diese Perspektiven in die öffentliche Diskussion. Mauern 2.0 befragt dafür einige ProtagonistInnen des Films erneut: Wie sehen sie Themen wie Rassismus, Nationalismus und ökonomische Ausbeutung heute? Gibt es neue ‘Mauern’? Mauern 2.0 zieht weitere Kreise und fragt auch nach Perspektiven aus dem Ost-Teil der Stadt. Vergangene Auseinandersetzungen aktualisieren wir für die Gegenwart und fragen nach Verbindungen und Entwicklungen. Schließlich stellen wir die unausweichliche Frage: Was ist Rassismus heute?

Anschließend Gespräch mit den Filmemachern

Vorstellung: Mo, 03.10., 12.00 Uhr, Ballhaus Naunynstraße

Quelle: http://gegen-die-leinwaende.de/?p=416


Veranstaltung: (K)eine Rückkehr: Hoyerswerda revisited

Hier ein Veranstaltungshinweis, den ich bekommen habe:

Podiumsdiskussion in Berlin am 13.9.2011, 19:30 Uhr, Südblock, U-Bahnhof Kottbusser Tor:

(K)eine Rückkehr: Hoyerswerda revisited
mit: Manuel Nhacutou, Maputo (Mosambik), ehemaliger Vertragsarbeiter
Emmanuel Gärtner, Accra (Ghana), ehemaliger Flüchtling
N.N., migrantischeR AktivistIn, (Berlin)
Toni Schmidt, Gruppe Pogrom 1991 (Hoyerswerda)

Im September 1991 markierten die tagelangen rassistischen Angriffe auf mosambikanische Vertragsarbeiter_innen der Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) und Flüchtlinge im sächsischen Hoyerswerda und deren anschließende Vertreibung aus der ehemaligen sozialistischen Musterstadt den Beginn einer jahrelangen Welle rassistischer Angriffe und Brandanschläge in Ost- und Westdeutschland.

20 Jahre nach den Angriffen kehren Manuell Nhacutou und Emmanuel Gärtner anlässlich des Jahrestags des Pogroms in die Stadt zurück, die ihr Leben entscheidend verändert hat.

Bei der Podiumsdiskussion werden Manuell Nhacutou und Emmanuel Gärtner über ihre Erlebnisse im September 1991 sprechen – und über ihre Eindrücke von Hoyerswerda heute. Die Referent_innen analysieren die politischen Hintergründe des Pogroms – die wirtschaftlichen Interessen des Braunkohlekonzerns LAUBAG an der Ausweisung der ehemaligen Vertragsarbeiter_innen – und dessen Folgen: Kurze Videoclips und Medienberichte aus den frühen 1990er Jahren veranschaulichen den Zeitgeist.

Mit der Veranstaltung wird ein zentrales Ereignis der Nachwendezeit von unmittelbaren Zeitzeug_innen beschrieben – und ein Raum für Erinnerungen und Reflektionen geboten. Denn die Konsequenzen der rassistischen Mobilisierungen der 1990er Jahre dauern bis heute an.

Wann: Dienstag, den 13. September 2011 um 19:30 Uhr
Wo: Südblock, Admiralstr. 1-2, 10999 Berlin (U-Bahnhof Kottbusser Tor)
Eintritt kostenlos

Eine Veranstaltung von: Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum (apabiz) e.V., autofocus videowerkstatt e.V., Argumente – Netzwerk antirassistische Bildung e.V. und dem Fachbereich Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Gefördert durch: Rosa-Luxemburg-Stiftung
Unterstützt durch: Stiftung: do

Nachtrag 18.09.11: Die taz hat von der Veranstaltung und mehr berichtet.

Den Film „Viele habe ich erkannt“ mit Manuel Nhacutou von 1992 kann online bestellt werden.