Porträt eines Vertragsarbeiters aus Mosambik

Das Neue Deutschland veröffentlicht ein Porträt über Serafim Manhice, der aus Mosambik als Vertragsarbeiter in die DDR kam und dreimal die BRD verlassen musste und immer wieder gekommen ist.

Trotzdem wurde er zweimal abgeschoben, 1991 und 1994. Mosambik war für ihn jedoch nur wenig lebenswert. 500 Jahre Kolonialismus und ein 16 Jahre dauernder Bürgerkrieg hatten dem Land zugesetzt. Es lag wirtschaftlich völlig am Boden. In Maputo hielt er es nur wenige Monate aus. Dann brach er wieder auf und gelangte über Portugal nach Berlin. Mehr und mehr wurde die ehemalige Mauerstadt sein Zuhause, in Berlin wurde er Vater. 1997 kam seine Tochter Nelly zur Welt. Doch einen geregelten Status brachte ihm seine junge Familie nicht, denn Nellys Mutter Hong Nguyen kommt aus Vietnam und war ebenfalls Vertragsarbeiterin.

Hinweis von Marina Mai

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Projektseite Migration in die DDR online

Nach langer Arbeit ist jetzt endlich die Projektseite Migration in die DDR (und BRD) online. Die Seite ist aus einem Projektseminar an der Humboldt-Universität entstanden. Auf ihr werden verschiedene Projektarbeiten rund um die Migration in DDR präsentiert. Eine davon ist eine Online-Bibliographie (bei der leider die Schlagwortsuche noch nicht funktioniert).


Veranstaltung: (K)eine Rückkehr: Hoyerswerda revisited

Hier ein Veranstaltungshinweis, den ich bekommen habe:

Podiumsdiskussion in Berlin am 13.9.2011, 19:30 Uhr, Südblock, U-Bahnhof Kottbusser Tor:

(K)eine Rückkehr: Hoyerswerda revisited
mit: Manuel Nhacutou, Maputo (Mosambik), ehemaliger Vertragsarbeiter
Emmanuel Gärtner, Accra (Ghana), ehemaliger Flüchtling
N.N., migrantischeR AktivistIn, (Berlin)
Toni Schmidt, Gruppe Pogrom 1991 (Hoyerswerda)

Im September 1991 markierten die tagelangen rassistischen Angriffe auf mosambikanische Vertragsarbeiter_innen der Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) und Flüchtlinge im sächsischen Hoyerswerda und deren anschließende Vertreibung aus der ehemaligen sozialistischen Musterstadt den Beginn einer jahrelangen Welle rassistischer Angriffe und Brandanschläge in Ost- und Westdeutschland.

20 Jahre nach den Angriffen kehren Manuell Nhacutou und Emmanuel Gärtner anlässlich des Jahrestags des Pogroms in die Stadt zurück, die ihr Leben entscheidend verändert hat.

Bei der Podiumsdiskussion werden Manuell Nhacutou und Emmanuel Gärtner über ihre Erlebnisse im September 1991 sprechen – und über ihre Eindrücke von Hoyerswerda heute. Die Referent_innen analysieren die politischen Hintergründe des Pogroms – die wirtschaftlichen Interessen des Braunkohlekonzerns LAUBAG an der Ausweisung der ehemaligen Vertragsarbeiter_innen – und dessen Folgen: Kurze Videoclips und Medienberichte aus den frühen 1990er Jahren veranschaulichen den Zeitgeist.

Mit der Veranstaltung wird ein zentrales Ereignis der Nachwendezeit von unmittelbaren Zeitzeug_innen beschrieben – und ein Raum für Erinnerungen und Reflektionen geboten. Denn die Konsequenzen der rassistischen Mobilisierungen der 1990er Jahre dauern bis heute an.

Wann: Dienstag, den 13. September 2011 um 19:30 Uhr
Wo: Südblock, Admiralstr. 1-2, 10999 Berlin (U-Bahnhof Kottbusser Tor)
Eintritt kostenlos

Eine Veranstaltung von: Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum (apabiz) e.V., autofocus videowerkstatt e.V., Argumente – Netzwerk antirassistische Bildung e.V. und dem Fachbereich Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Gefördert durch: Rosa-Luxemburg-Stiftung
Unterstützt durch: Stiftung: do

Nachtrag 18.09.11: Die taz hat von der Veranstaltung und mehr berichtet.

Den Film „Viele habe ich erkannt“ mit Manuel Nhacutou von 1992 kann online bestellt werden.


Ausländerbeauftrage Schwedt

Die taz berichtet, dass der „gebürtige Mosambikaner“ und ehrenamtliche Ausländerbeauftragte von Schwedt Ibraimo Alberto die Stadt wegen Alltagsrassismus verlassen hat.

Nachtrag 13.03.12: Es scheint einen Deutungskampf um den Weggang von Ibraimo Alberto zu geben. Spiegel Online spricht mit Alberto in Karlsruhe, fokussiert Rassismus in Schwedt und macht Karlsruhe zur rassismusfreien Insel (das scheint mir dann doch einigermassen übertrieben). Die Märkische Oderzeitung wiederum versucht Schwedt weißzuwaschen, wertet Alberto ab und behauptet, dass die Schwedter im Gegensatz zu Alberto keine dreckige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen würden.