Film: Frauen in Berlin

Chetna Vora kam aus Indien in die DDR, um in Potsdam-Babelsberg Film zu studieren. Für ihr ehrgeiziges Gruppenporträt befragte sie Frauen in bislang unbekannter Offenheit. Das Projekt wurde von der Hochschulleitung vor der Fertigstellung abgebrochen, das belichtete Material beschlagnahmt und vernichtet. In einer geheimen Aktion gelang es vorher noch, den Film mit einer VHS-Kamera abzufilmen. Dieser Torso wird nun erstmals öffentlich vorgeführt.

Beginn: 07.05.2015 19.00 Uhr Ende: 22:00 Uhr
Filmmuseum Potsdam, Breite Straße 1a 14467 Potsdam

„Frauen in Berlin“, R: Chetna Vora, K: Thomas Plenert, Dokumentarfilm DDR 1982, 139 Min.
Mit Einführung von Dr. Claus Löser in Anwesenheit von Lars Barthel und Thomas Plenert

http://www.aufarbeitung.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.395909.de

Werbeanzeigen

Griech_innen in der DDR

Ende April veranstaltet das Centrum Modernes Griechenland in Berlin eine Tagung zu Die Griechen in der DDR:

Die Tagung setzt sich zum Ziel, dieses bislang noch kaum erforschte Kapitel der deutsch-griechischen Beziehungen zu beleuchten. Hierbei wird die Frage der Selbst- und Fremdwahrnehmung der griechischen Flüchtlinge ebenso zu behandeln sein wie die Beziehung der DDR-Griechen zum SED-Staat, die Verbindungen der SED zu den kommunistischen und sozialistischen Parteien Griechenlands, die diplomatischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen im Dreieck Griechenland-DDR-BRD sowie die Rolle der griechischen (Exil-)Presse und Kultur in der DDR.


Mosambikaner bei Pegida

Die taz hat über die Spaltung von Pegida berichtet. Dabei zitiert sie das Mitglied des Organisationsteams Rene Jahn unter anderem mit:

„Wir wollen die bürgerliche Mitte erreichen, weil wir wissen, dass Dresden eine sehr konservative Stadt ist“, nimmt er den Geist des angekündigten neuen Positionspapiers vorweg. Nicht nur die Mitte, auch ganz neue Bevölkerungsgruppen wie die in der DDR eingewanderten Mosambikaner. „Sprachrohr für die Nöte und Ängste“ wolle die Pegida-Mutation werden, erklärt René Jahn mit erstaunlicher Sicherheit auf dem ungewohnten Podium.

Spannend, woher kommt der Bezug auf die Mosambikaner. Eine Google-Suche mit Rene Jahn und Mosambikaner führt zu einem Interview, dass blu-news (blu-news.org/ 2015/01/11/pegida-gruender-im-blu-news-interview/) mit Rene Jahn und Kathrin Oertel geführt hat. Darin wird Jahn zitiert:

Ein guter Freund läuft nun seit ungefähr fünf Wochen bei den Demonstrationen vorne mit. Nun wird behauptet, das sei ein „Quoten-Neger“, der von uns bezahlt wird. Dass dieser sogenannte Quoten-Neger, der tatsächlich Hamilton George heißt, 1987 in die DDR kam, ich ihn 1988 kennenlernte und dem es nach den ersten Demonstrationen und den Angriffen einfach ein Anliegen war, sich einzubringen. Er sagte zu mir: „René, ich muss da unbedingt vorne mitlaufen. Ich fühle mich mehr als Deutscher denn als Mosambikaner.“ Dennoch wird er in seinem Anliegen nicht ernst genommen und bleibt für manche der Quoten-Neger.

Ein in die DDR Migrierter läuft also an vorderster Front bei den Pegida-Demonstrationen mit. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen ehemaligen Vertragsarbeiter, der es geschafft hat, in Deutschland zu bleiben. Auch der Focus berichtet über ihn, allerdings mit leicht anderem (vermutlich portugiesischerem) Namen:

Einer, der dieses Plakat hält, ist, soweit man das überblicken kann, der einzige Dunkelhäutige auf dem Platz. Hamilton Jorge aus Mosambik. Seit 1985 lebt er in Dresden. Auch Jorge ist da, weil er Angst hat. Auch er redet ungern mit Journalisten. Aber er verfolgt die Nachrichten, liest von radikalislamischen Massakern in Kenia und Somalia und denkt dabei an Dresden. Jorge ist sich sicher: „Klar, das kann hier auch passieren.“ Zum Asylmissbrauch illegaler Flüchtlinge sagt er: „Wenn die Leute hier ankommen, weiß man nicht, wer gut ist und wer schlecht.“ Sätze, die auf den ersten Blick irritieren und gleichzeitig zeigen, wie fließend die Grenzen sind – zwischen Ängsten und Vorurteilen, zwischen bürgerlichen Sorgen und pauschaler Verurteilung. Aber ein Schwarzer bei Pegida? „Das sind meine Freunde, keine Rassisten“, sagt Jorge. René Jahn kenne er seit fast 30 Jahren. „Das sind ganz normale Leute“, sagt er.

Interessant wäre zu wissen, was Jahn und Co denn für die Mosambikaner tun wollen.


Film über Kambodschaner

Die taz berichtet über den Film „Bonne Nuit, Papa“ von Marina Kem. In dem Dokumentarfilm setzt sich Kem mit ihrem Vater Ottara Kem auseinander, der 1965 zum Studium in die DDR kam und dann blieb.


Geschichtsschreibung

Vor gut zwei Jahren fand in Treptow eine Veranstaltungsreihe: „Bruderland ist abgebrannt!“ – Einwanderung, Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus in der DDR statt. Bei den Veranstaltungen gab es viel Widerspruch. Und nun wird in der Hellen Panke die Gegenveranstaltung Mosambikanische Vertragsarbeiter in der DDR-Wirtschaft organisiert. Aus der Veranstaltungsankündigung:

Es gibt wohl kaum ein Kapitel aus der DDR-Geschichte, wo so viele unwidersprochene Verleumdungen, Verdrehungen und Halbwahrheiten kolportiert werden, wie in Bezug auf den Einsatz von Vertragsarbeitern aus Ländern der Dritten Welt in der DDR-Wirtschaft.
Da wird etwa behauptet, dass die „ausländischen Werktätigen“ keine Kontakte zu ihrem sozialen Umfeld haben durften, auf offener Straße mehrere Ausländer massakriert wurden, junge Vertragsarbeiter kaserniert untergebracht, schlecht bezahlt und ausgebeutet waren.

Ganz offensichtlich geht es hier darum, Deutungshoheit über die Geschichte zu bekommen. Dabei geht es aber nicht nur um Ost und West, sondern auch um deutsch und migrantisch. Bei der Helle Panke-Veranstaltung werden Straßburg, ein Vertreter des DDR-Systems, und van der Heyden, ein Wissenschaftler, der sich immer wieder gegen rassismuskritische Positionen äußert, vortragen. Das kann spannend werden. Unwahrscheinlich aber, dass es keine Verleumdungen, Verdrehungen und Halbwahrheiten geben wird.

Straßburg und van der Heyden haben mit zwei Ko-Herausgeber_innen letztes Jahr ein Buch zum Thema herausgegeben. Eine Rezension ist zu finden auf hsozkult.


Aus Jemen

In einem taz-Artikel über den Sprecher des Islamischen Zentrums in Dresden ist zu lesen:

1989 ist er in Karl-Marx-Stadt geboren, der Vater kam aus dem Jemen in die DDR.


Zum Studium aus Vietnam

Der Freitag porträtiert Bùi Chính Yên, der zum Studium aus Vietnam in die DDR kam.